Gerade habe ich in Zusammenarbeit mit einem deutschen Fernsehteam und einem Journalisten der Printmedien einen Filmdreh abgeschlossen. Dieser Dreh hat uns zu mehreren Orten in West- und Zentral Kalimantan gebracht. Unser Hauptziel richtete sich darauf, den gegenwärtigen Stand des Artenschutzes von Orang Utans, die in diesen Gegenden heimisch sind, zu untersuchen und zu dokumentieren.
Wir haben ein Flugzeug von Palangkaraya nach Pangkalanbun gechartert, wo früher die Hochburg der Orang Utans in der Zentral Kalimantan Region war. Bald nachdem wir über das BOS-Zentrum (Borneos Orang Utans Überlebens Stiftung) in Nyaru Menteng geflogen waren, konnten wir DEUTLICH große Areale sehen, wo erst kürzlich der Regenwald mit Bulldozern gerodet, ja komplett platt gemacht wurde um dort Palmkernöl-Plantagen zu errichten. (Anmerkung des Übersetzers):
DIESES WIRD HIERZULANDE VOR ALLEM FÜR BIOSPRIT UND MARGARINEN BENUTZT!!!!
Außerdem wurden Flächen gerodet, um den Weg für ILLEGALE Goldminen freizumachen. Diese Entwaldung erstreckt sich bis zum Tanjung Puting National Park und gipfelt entlang seiner Nordgrenze, entlang des Kumai Flusses.
Diese Art von Entwaldung ist bezeichnend dafür, was sich auch in West Kalimantan, und in gewissem Ausmaß sogar im Osten ereignet. An der malaysischen Seite Borneos, in Sarawak und Sabah sieht es aufgrund von vielen Firmen, die in malaysischer Hand sind genauso aus. Diese benutzen malaysisches Kapital dazu, sich an der indonesischen Seite Borneos anzusiedeln. Ich habe Kalimantan seit den 80er Jahren fast jährlich besucht, das heißt bis vor 5 Jahren. Mein liebster Ort um die roten Affen in einer relativ natürlichen Umgebung zu fotografieren, war der Tanjung Puting National Park. Die daraus entstandene Dokumentation war in zwei Berichten, über Groß-Affen enthalten (mit Mitautoren produziert), außerdem in der “Orang-utan-Odyssee“ (erschienen bei Abrams, 1999), von Dr. Birute Galdikas, diese zeigt meine Photographien.
Öko-Tourismus
Da ich, bevor sich mir dann endlich eine Möglichkeit dazu bot, 5 Jahre lang nicht nach Tanjung Puting zurückkehrte, war ich über den sehr kommerziell und gewinnorientiert gewordenen Zustand des Nationalparks total geschockt.
Die Preise in der Rimba Lodge (Unterkunft des Parks) und für die Boots-Miete haben sich seit meinem letzten Besuch verdreifacht. Die Futterstellen der Orangs sind jetzt mit sogenannten „Kloktok Booten“ voll mit Touristen überfüllt.
Diese Futterstellen wurden ursprünglich dazu aufgestellt, um die ehemals gefangenen Orang Utans zu unterstützen und sie wieder an das Waldleben zu gewöhnen. Da diese erst noch lernen mussten sich selbst zu versorgen. Jetzt sieht es aber so aus als dienten Sie auch den Erwachsenen Tieren als Ersatz dafür sich selbst Nahrung zu suchen. Somit sieht der hauptsächliche Nutzen der Futterstellen so aus, dass sie nur noch den Touristen dazu dienen, eine Nahaufnahme mit oder von den Orang Utans zu machen. Das in einer künstlichen Umgebung, voll mit Warnschildern und Tafeln mit Anweisungen und leider keinen echten Informationen über das Thema der Arterhaltung - die die Population der Orang Utans, auf den Palm-Öl-Feldern in der direkten Nachbarschaft betrifft.
Obwohl der Ökotourismus vielerorts als Allheilmittel für verschiedene Arterhaltungsprojekte gepriesen wurde, hat sich die Zahl der Besucher im Tanjung Puting Park in solchem masse erhöht, dass sich meiner Meinung nach der Wert des ganzheitlichen Erlebnisses drastisch verringert hat. Leider wird an dieser Stelle der Ökotourismus oft eher zum Teil des Problems, dessen Lösung er eigentlich ermöglichen sollte. Dies haben wir auch in vielen der bekannten, größeren Nationalparks in Ost- und Südafrika gesehen.
Auf meinem Weg nach Indonesien habe ich in einer Einreisezeitschrift einen Artikel über ein Rehabilitierungs-Zentrum für Orang Utans, auf Sumatra gelesen. Dieser Artikel besagt: „Das Zentrum nimmt keine neuen gefangen genommenen Waisen mehr auf, da die Wälder um Bukit Lawang fast voll sind mit rehabilitierten, freigelassenen Affen. Dies ist ein echter Beweis für den Misserfolg des Zentrums.
Ich würde das Auffüllen der letzten Fleckchen Wäldern mit verwaisten Primaten eher als ein großes Versagen klassifizieren, da vom Ziel einer vollständigen Arterhaltung ausgegangen werden muss.
Warum die Zentren nicht mehr in der Lage sind mit dem immer weiter fliessenden Waisenzustrom und der damit zusammenhängenden Tierpflege, sowie dem Thema der Arterhaltung umzugehen, darauf werde ich später nochmals näher darauf eingehen.
Der Artikel folgerte: „ Durch das Zulassen von engem menschlichem Kontakt, in kontrolliertem Masse, wird nicht nur das Verständnis und die Wertschätzung für diese bedrohte Tierart sondern auch der Wunsch erhöht, sie zu beschützen und für künftige Generationen zu bewahren. Falls dies das Ziel des Ökotourismus ist, in diesem und anderen Teilen der Welt, dann frage ich mich: WO IST DER ERFOLG?
Lippenbekenntnisse
Der Manager eines Projektes, der die Arterhaltung von Orang Utans untersucht und sich in West Kalimantan befindet, hat uns darüber informiert, dass die Population des roten Affen auf Borneo vor 100 Jahren ca. 2 MILLIONEN betrug. Heute sprechen die zuletzt erhobenen Daten von maximal nur noch 50‘000 Exemplaren und das nur in Restpopulationen, die auch noch so zersplittert sind, dass ihr genetisches Überleben für den Artenschutz zu einem großen Problem wurde. Dies deutet sehr darauf hin, dass trotz der letzten 30 Jahre vollgepackt mit aktiven Bemühungen zur Arterhaltung – und dem neuen Ökotourismus – und Millionen von Dollars, die dafür verwendet wurden, zu versuchen die einzigen Großaffen Asiens zu beschützen und auch seine Lebensräume, die Wälder, zu erhalten. NICHTS davon hat funktioniert.
Ein vielsagendes Beispiel für dieses Versagen, ist meiner Meinung nach das „Tanjung Puting Manifest“, welches von weltweit führenden Primatologen, 1991 unterschrieben wurde. Dieses Manifest liest sich lange, und ist heute noch stolz im Esszimmer der Tanjung Puting Rimba Lodge ausgestellt.
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Leider sieht die Realität aber so aus, dass in Zentral Kalimantan mehr Waldzerstörung stattgefunden hat als in irgendeinem anderem Lebensraum auf der Welt. Ungefähr zur selben Zeit als dieses Manifest unterschrieben wurde, benutzte Indonesien Millionen Dollars aus dem „Aufforstungsfond“ um ein riesiges torfreiches Urwaldgebgebiet, in Zentral Kalimantan, zu roden.
Dies für etwas was sich „Das Reis-Schalen-Projekt“ nannten und nicht mal zur Ende ausgeführt wurde (obwohl Untersuchungen des Bodens gezeigt haben, das dieses Gebiet für die Reisernte nicht geeignet ist).
Indonesien wird heute im Guinness Buch der Rekorde als der weltgrößte Zerstörer des ursprünglichen Regenwaldes genannt. Manche Schätzungen gehen davon aus, dass pro Stunde umgerechnet 300 Fußballfelder Regenwald zerstört werden und dadurch unwiederbringlich verloren gehen. Außerdem wurde Indonesien der Welt drittgrösster Erzeuger von CO2, was auf die Rodung des Urwaldes zurückzuführen ist.
Während der späten 90er und den Anfängen dieses Jahrzehnts, habe ich regelmäßig darüber berichtet, dass es fast auf der ganzen Länge des Sekon Flusses, der die Westgrenze des Naturparks darstellt, zu wildem Camping kommt, was illegal ist.
Die Probiscus Forschungsstation des Parks wurde von Siedlern geplündert und zerstört. Sie haben dann auch den Anlegesteg der Station als Teil ihrer ufernahen Infrastruktur genutzt. Sogar im Park selbst wurden komplette Dörfer errichtet, mit Moscheen mit aufragenden und glänzenden Kuppeln.
Der Hafen von Kumai war zu dieser Zeit das Zuhause vieler florierender Sägewerke und Bauholzhöfe, wo dutzende von Schiffen mit illegalem Holz beladen werden konnten. Heute ist es jedoch zum größten Teil so, dass diese Geschäftigkeit der Vergangenheit angehört. Die Gründe hierfür sind aber nicht, dass Arterhaltungsinteressen durchgesetzt wurden, sondern vielmehr, dass das wertvolle Ramin-Holz völlig abgeholzt und das große Geld damit schon gemacht worden ist! Die zahlreichen Papierhersteller Indonesiens bekommen ihren Rohstoff jetzt dadurch, das Millionen von Hektaren Zweitwald gerodet werden (nachwachsender, junger Wald). Dies wird durch den aufstrebenden Marktneuling die Palmöl-Industrie noch weiter vorangetrieben.
Als ich das erste Mal die Berichte der speziellen Palmöl-Arbeitsgruppe sah (zusammen mit denen des Bündnisses für Großaffen) da wusste ich, dass die Dinge wirklich schlecht aussehen mussten. Allerdings hätte ich nie erwartet, dass sie so katastrophal und möglicherweise sogar hoffnungslos sind. Es wird deutlich, was auch immer Indonesiens Führung zum Schutze der Wälder Kalimantans gesagt haben, dies zu keinerlei erfolgreichen Massnahmen geführt hat.
Stattdessen sieht es eher so aus, dass der internationalen Gemeinschaft nur das gesagt wurde, was sie gerne hören wollte, mehr oder weniger nur Lippenbekenntnisse geliefert wurden.
Währenddessen scheint die Hintergrundstrategie wie folgt zu sein: Je schneller die übrigen Wälder in Plantagen verwandelt werden können, umso weniger Möglichkeiten werden internationale Medien haben, über diese Lage detailliert zu berichten.
Orang Utan Waisen
Dem Mangel an politischem Durchsetzungswillen sowie der Bereitschaft zu betrügen und sich nach außen hin anders darzustellen als man ist, kann man bescheinigen, dass sie das Überleben der letzten wenigen, in der Wildnis lebenden, Orang Utans massiv gefährden. Auch das Wohlergehen der ca. 1200 Orang-Utan-Waisen, die in den Reservaten des Landes leben, sind davon beeinträchtigt.
Es ist schlicht und einfach offensichtlich, dass die Waisen nicht mit solcher Geschwindigkeit und in solchen Mengen aus den Wäldern kommen würden wenn schon irgendwelche Fortschritte, die Zerstörung der Wälder aufzuhalten, erzielt worden wären.
Jeder Waise ist meiner Meinung nach eine Reklame, eine lebende Mahnung für das Versagen der verschiedenen Artenschutz-Bemühungen. Nebst Sumatra sind die Regenwälder der Tiefebene Borneos, die einzigen Ur-Lebensräume der Orang Utans auf unserem Planeten.
In der Vergangenheit wurden beachtenswerte Bemühungen durchgeführt, den verwaisten Orang Utans durch Rettungs- und Befreiungsprojekte eine zweite Chance zu geben. Dies wurde zum einen durch Rehabilitierung in den Reservaten und letztendlich, die Auswilderung in geschützte Gebiete erreicht. (Mehrmals stolperte ich in den späten 90er Jahren über kleine Orang-Utan -Waisen, die illegal an diversen Standorten von Zentral Kalimantan gehalten wurden. Nachdem ich dies der Reservatsleitung von BOS in Waniraset, gemeldet habe, konnten einige erfolgreich beschlagnahmt und rehabilitiert werden.)
Viele der Großen Artenschutzplayer, die Zugang zu Geldmitteln haben und diese für Themen einsetzen, die sie primär für die Arterhaltung erachten, argumentieren hingegen, dass die Mittel die dafür verwendet werden (gefangene Waisen zu rehabilitieren) besser ausgegeben wären die Lebensräume derer zu schützen, die sich noch in der Wildnis befinden. Dabei übersehen sie aber die grundlegende Tatsache, dass jeder Waise bereits ein Versagen ihrerseits, den Schutz der Wildpopulation betreffend, repräsentiert.
Angesichts der gegenwärtigen Situation sieht es so aus, dass der Fluss der Waisen nur dann und in der gleichen Geschwindigkeit abnehmen wird, wie die Wildpopulation schwindet und somit keine Nachkommen mehr hervorbringt.
Gestützt auf diese Erfahrungsgeschichte, sollten wir diesen Verbündeten tatsächlich zutrauen, dass sie plötzlich eine wirksame und erfolgreiche Methode oder zumindest einen Ansatz finden werden, um diese Probleme Anzugehen?
Es scheint als habe die gebildete und besorgte Öffentlichkeit der „entwickelten“ Welt akzeptiert, dass wir nicht in der Lage sind das Problem der unkontrollierten und nicht nachhaltigen Entwicklung in solch schlecht regierten Ländern wie Indonesien anzupacken.
Somit ist es eine barmherzige Alternative sich auf die Notlage der Waisen zu konzentrieren auch wenn sie sich darauf beschränkt, eine zweite Chance in Halbgefangenschaft leben zu müssen.
Deshalb wurden beachtenswerte Mittel aufgebracht, sich um die Affen-Waisen in ganz Afrika, Indonesien und auch in manchen ausgedehnten Gebieten von Malaysia zu kümmern.
Als Verbraucher eines grossen Prozentsatzes des in Indonesien illegal gerodeten Holzes (wovon vieles als Fertigprodukte aus China importiert wird) und auch von einer großen Palette von Produkten, die Palmöl enthalten, tragen wir als Verbraucher in der westlichen Welt viel von der Verantwortung, dass es überhaupt soweit gekommen ist.
Offensichtlich haben wir ein Problem damit uns auf der Verbraucherseite einzuschränken und uns für eine bessere, verantwortungsvollere Regierungsform in den betroffenen Ländern einzusetzen.
Mit einem gelegentlichen Scheck zur Unterstützung eines Affenwaisen glauben wir - irrtümlicherweise - uns von unserem Fehlverhalten freikaufen zu können. Dies ist meiner Meinung nach reine Zeitverschwendung die wenig mit Arterhaltung und unserer Verantwortung gegenüber unseren nächsten Verwandten aus dem Tierreich zu tun hat. Sogar an dieser Front scheint es so als würden sich die Dinge eher zum schlechten entwickeln.
Transparenz
Das Medienteam, mit dem ich unterwegs war, wollte das BOS-Nyaru-Menteng-Rettungs-Zentrum filmen, wo ca. 600 Waisen gehalten werden, die auf Rehabilitierung warten. Der Antrag auf eine Dreherlaubnis ist eine abschreckende, einschüchternd anmutende 3 seitige Liste voller Bedingungen. Unter anderem die Lebensläufe aller Teammitglieder, Gesundheitszeugnisse, HIV-Tests, eine zusammenfassende genaue Beschreibung des Drehbuchs und dazu eine Erklärung aus welchem Blickwinkel die Geschichte erzählt wird. Zudem wollten sie Aussagen wie genau dieses Filmprojekt dem BOS Zentrum und seinen Bemühungen für die Rettung der Orang Utans dienen soll.
Der Kameramann teilt uns mit, dies sei ein mehrfaches an Auflagen dessen was sie während des letzten Golfkrieges für das Filmen eines U.S. Amerikanischen Atomflugzeugträgers erfüllen mussten. Ein Journalist (Produzent) fragte nach, ob er ohne das Filmteam das Zentrum besuchen könnte. Es wurde ihm deutlich gemacht, dass er im Vorfeld eine Zusammenfassung und ein Storyboard des beabsichtigten Artikels einreichen müsste. Dies fand er total absurd und sah es als die schlimmste Form der Zensur die ihm jemals widerfahren ist. Nachdem wir ein paar Telefonate geführt haben, fanden wir heraus, dass der Vorstand von BOS zum größten Teil aus ehemaligen Regierungsbeamten besteht, die natürlich die Interessen der Regierung vertreten.
Das Ergebnis ist, dass nur jene Anträge angenommen werden welche das Zentrum nicht kritisch betrachten. Das Ergebnis ist eine so strukturierte Taktik, den Zutritt für Medien betreffend, dass sie es erlaubt, jegliche Anträge auszuschließen von denen auch nur angenommen wird, dass sie eine negative Berichterstattung zufolge hätten. (Wünscht sich die Führung Indonesiens doch eine allumfassende und positive Happy-End-Stimmung bei der Berichterstattung.)
Anscheinend wurde dies für notwendig erachtet, da früher Reporterteams regelmäßig die missliche Lage der Orang Utans dazu nutzen um durch sie die ganz große Geschichte, von nicht nachhaltigem Fortschritt und Zerstörung der Wälder, kombiniert mit einer drastischen Erhöhung des CO2 Ausstoßes, erzählen zu können.
Auf der Suche nach einer Lösung wie sich diese Art von Enthüllungen am besten verhindern oder zumindest beschneiden lassen könnten, hat die Regierung wahrscheinlich in Zusammenarbeit mit den Lobbyisten der Palmölindustrie die oben genannten Bedingungen entwickelt.
Diese Bestimmungen werden ihnen auf bürokratischem Wege ermöglichen, die zukünftige Berichterstattung der Medien zu kontrollieren.
2015
Da wir nicht Willens waren solche Regeln der Zensur zu akzeptieren, haben wir unsere Pläne das BOS Rettungszentrum zu besuchen verworfen. Anstatt die Geschichte der geretteten Waisen weiter zu verfolgen, entschieden wir uns, uns auf die Geschichte derer zu konzentrieren die noch auf Rettung warten. In West Kalimantan, in der Stadt Ketepang, fanden wir fünf junge Orang Utans die auf den Transport zur einem der offiziellen Rettungscenter warteten. Sie waren in Einzelhaft in dunklen Käfigen eingesperrt in denen sie sich schon seit drei Monaten befanden. Ortsansässige Forstbeamte teilten uns mit, dass die Zentren zwar als voll galten aber dass dies das erste Mal war, dass sie mit solch einer Verzögerung beim Transport von beschlagnahmten Waisen konfrontiert wurden.
Auch in Ketapang wurde uns von einem Repräsentanten einer ausländischen Arterhaltungsgruppe (NGO) gesagt, dass sie eine Liste mit 20 illegal gehaltenen Orang Utans eingereicht hätten in der Hoffnung, dass die Forstbeamten die Tiere beschlagnahmen lassen würden. Sie bestätigten auch, dass weitere Beschlagnahmungen als sinnlos angesehen wurden, da in den Reservaten und Zentren keine Plätze mehr zur Verfügung standen. Ein einheimischer Artenschützer, der später versuchte die Waisen von dieser Liste zu finden, sagte uns, dass die meisten von ihnen schon „verschwunden“ sind. Dies scheint jetzt der neueste Ansatz um das „Problem der illegal gehaltenen Waisen zu lösen“ zu sein.
In Pontianak haben wir zwei erwachsene Orang Utans besucht die illegal auf einem Müllabladeplatz eines Wohngebietes in kleinen Käfigen gehalten werden. Sie waren schon jahrelang dort und wie üblich bei erwachsenen Tieren schwieriger sie zu konfiszieren und umzusiedeln als es bei kleinen Waisen gewesen wäre. Nach einem kürzlich erfolgten Fluchtversuch waren ihre Käfige jetzt zugeschweißt worden. Die Nachricht scheint auch hier wieder die gleiche zu sein - dass sie diese Käfige niemals verlassen werden können!
Unsere einheimischen Führer schätzten, dass sich die Zahl der illegal gehaltenen Orang Utans, alleine in Pontianak, auf 50-100 beläuft. „Der Strategie-Plan“ für die Arterhaltung der restlichen Orang-Utan-Population, der vom indonesischen Präsidenten „Susilo Bambang Yudhoyono“ bei der Bali Konferenz, im Jahr 2007, in eine große Auswahl von hochtrabenden Zielen und Erklärungen eingebettet vorgestellt wurde verdeutlicht, dass es Indonesiens Ziel ist, im Jahr 2015 alle Orang-Utans-Rettungsstationen und Rehabilitationszentren schließen können. Viele der weltgrößten Artenschutzorganisationen haben sich diesem Plan verpflichtet und werden auf seiner Titelseite genannt.
Die Schlussfolgerung dieser Entscheidung ist, dass die Reservate und Zentren, von denen erwartet wird in sieben Jahren zu schließen, alle Hände voll zu tun haben werden mit neuen Waldstücke für Wiedereingliederung zu finden und zusätzlich noch die 1200 Waisen die auf eine Umsiedlung warten, zurück in eine natürliche Umgebung umzusiedeln. So dürfte es nicht verwunderlich sein, wenn sich ein Engpass - Neuzugänge betreffend - entwickelt.
Beschlagnahmungen und Umsiedlungen stellen den einzigen Aspekt eines wirkungsvollen Gesetzesvollzugs dar den es jemals im Kontext zum Schutze des Orang Utan gegeben hat. Keine Waisen mehr aufzunehmen und keine mehr zu beschlagnahmen bedeutet, öffentlich gegen das Gesetz des Landes zu verstoßen (ein Orang Utan kann nur dann legal gehalten werden wenn man eine spezielle Erlaubnis vom Präsidenten der Republik Indonesien erhalten hat) und somit eine laute und deutliche Botschaft zu senden: Die Orang Utans sind zu unbequem geworden.
Handel und Artenschutz
2006 hat das CITES-Sekretariat und das Großaffen-Überlebensprojekt bei einem Einsatz zusammengearbeitet um herauszufinden, warum eine große Anzahl von Orang Utans illegal außer Landes gebracht wurden und irgendwo im Süden Asiens und im Mittleren Osten wieder auftauchten. Ein Punkt den der dazugehörende Bericht aufgreift ist, dass es niemals in der Geschichte des unabhängigen Indonesien, jemals eine erfolgreiche Verfolgung und Verurteilung eines Wilderers der einen Orang Utan getötet, oder eines illegalen Halters, gegeben hat. Es ist klar, dass genau dieser Mangel an politischem Willen bei der Durchsetzung nationaler Gesetze für den Schutz gefährdeter Arten ist, der einem produktiven Artenschutz im Wege steht.
Die Antwort von CITES/GRASP, das Orang-Waisen Problem betreffend: Sie in Zoos abzugeben, ins Ausland zu verschiffen oder Euthanasie (einschläfern lassen).
Eine UN-Patenschaft, die extra gegründet wurde um die letzten verbleibenden Großaffen zu schützen, schlussfolgerte, dass es im Falle der Orang Utans wenig Hoffnung gibt und das ein toter Orang Utan möglicherweise die beste Lösung ist. Ich versage, wenn es darum geht, die Logik hinter dieser Botschaft zu begreifen die den einheimischen Dorfbewohnern von den NGO´s Leuten (die sich Artenschützer nennen) vermittelt wurde.
Das wilde Orang Utans, die sich in den Wäldern befinden eine kostbare Ressource darstellen - während illegal gehaltene Waisen (gefangengenommene nachdem ihre Mütter ermordet wurden) keinen Wert mehr darstellen – da sie als bereits genetisch tot eingeordnet werden. Zumindest haben die gelegentlichen Beschlagnahmungen in der Vergangenheit als eine Erinnerung an die öffentliche Grundhaltung der Regierung gedient, die Wildtiere durch Gesetzesvollzug zu schützen.
Die Zukunft
Auf dem Boden Kalimantans sieht die Situation hoffnungslos aus. Aus der wirtschaftlichen Perspektive der Dinge betrachtet, scheint der Orang Utan nicht mehr zu sein als eine unbequeme Störung, und je schneller diese vergeht, umso besser. Die Fakten sind:
«Filmrechte für das BOS zu erhalten ist schieriger als für einen amerikanischen Fluhzeugträger!»
Jochen Blum Kameramann bei SpiegelTV
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